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*27. Dezember 2014:
30 Gäste besuchen die „Gemeinsame Weihnacht“ in der Ringkirche in Wiesbaden*

_Zu den 30 Gästen in der Ringkirche zählt auch Familie Ringeisen. Tochter Judith aus Idstein und Sohn Tobias aus Berlin besuchen ihre Mutter. In der Reformatorenhalle schätzen sie die familiäre Atmosphäre.
Foto: Joachim Sobek

Von Hendrik Jung_

WIESBADEN – Unter dem Kreuzgratgewölbe der Reformatorenhalle in der Wiesbadener Ringkirche haben sich gut 30 Gäste zusammengefunden, um den Heiligen Abend gemeinsam zu feiern. Ein geschmückter Weihnachtsbaum versprüht festlichen Glanz und Pfarrer Sunny Panitz sorgt mit einer lebhaften Lesung über die missglückten Vorbereitungen für die Bescherung bei einer achtköpfigen Familie für Heiterkeit.
Satt und zufrieden lauschen ihm die Gäste, von denen sich die meisten am Anfang der gemeinsamen Feier noch nicht gekannt haben. In Warmhaltebehältern liegen immer noch Putenrollbraten, Kartoffel- und Gemüsegratin der Metzgerei Traub und das halbe Dutzend ehrenamtliche Helferinnen, das die Gäste bewirtet, hat Mousse au Chocolat und Obstsalat beigesteuert.

Traditioneller Stil

„Wir versuchen es im traditionellen Stil zu halten, sodass es trotzdem eine familiäre Feier ist“, erläutert Marita Steuernagel, die seit 2010 die Organisation der „Gemeinsamen Weihnacht“ übernimmt. Dazu gehört auch die Lesung der Weihnachtsgeschichte, Gesang und ein Quiz mit Fragen rund um das Fest der Liebe, das für regen Austausch an den Tischen sorgt.
Ein Programm, das diesmal sogar Gäste aus Limburg angelockt hat. „Unsere Kinder kommen erst morgen nach Hause“, erläutert Hartmut Neitzel, warum es ihm möglich war, daran teil zu nehmen. „Das war eine gute Entscheidung. Wir sind erst in den Gottesdienst und dann hierher. Das war eine besinnliche Zeit“, fügt er hinzu. Die Wiesbadenerin Helga Ringeisen hat sich angemeldet, nachdem sie in der Zeitung davon gelesen hat. Sie erhält in diesem Jahr nur Besuch von ihren beiden Kindern, ohne deren Familien, sodass sich die Feier in der Ringkirche angeboten hat. „Das ist was ganz Besonderes. Es ist sehr persönlich gemacht und es hat gute Gespräche gegeben am Tisch. Das hat sich familiär angefühlt“, urteilt ihr Sohn Tobias.

Doch nicht nur die Gäste, die für die Teilnahme zehn Euro bezahlen, aber dazu eingeladen sind, darüber hinaus noch zu spenden, fühlen sich wohl. „Mir hat es vier Mal große Freude gemacht, mich einzubringen. Dieses Mal bin ich froh, dass ich wenigstens als Gast dabei bin“, berichtet Jakob Klein, der erstmals nicht als Helfer beteiligt ist. „Es macht noch mehr Freude, was zu tun“, fügt auch Christine Wagner hinzu, die nach zwei Jahren ehrenamtlichen Engagements nun als Gast dabei ist. Trotz des besonderen Termins mangelt es den Veranstaltern nicht an Helfern. „Meine Familie ist im Ausland. Ich finde das hier angenehm. Besser, als mich mit einem Buch zu beschäftigen“, erläutert etwa Ute Roczek. Ihr Mann läuft einen Marathon auf Hawaii und ist deshalb zum ersten Mal seit Jahrzehnten am Heiligen Abend nicht in Roczek’s Destille. „Ich finde es schön, was von meiner Zeit abzugeben und etwas für die Gesellschaft zu tun“, erläutert Petra Ochs. Mit der Familie will sie sich im Anschluss treffen und bringt als Belohnung für deren Verständnis ein Stück von dem Putenrollbraten mit.
Wiesbadener Kurier

*29. Dezember 2014:
Singalong mit dem Wiesbadener Knabenchor in der Ringkirche*

_Diesmal in der Ringkirche: Alle Gäste singen gemeinsam mit dem Wiesbadener Knabenchor Bachs Weihnachtsoratorium.
Foto: Joachim Sobek

Von Anja Baumgart-Pietsch_

WIESBADEN – „…weil uns’re Wohlfahrt befestiget steht!“ So lauten die letzten Worte, die der Chor zu singen hat. Es ist die letzte Zeile des dritten Teils von Bachs Weihnachtsoratorium. Zufrieden lässt Danilo Tepša den Taktstock sinken. Nur, um anschließend aber doch noch eine Zugabe einzufordern: „Wir machen den Eingangschor noch mal“, sagt Tepša, und so erklingt zum endgültigen Schluss „Jauchzet, frohlocket“. Dann klatschen sich Chor und Orchester gegenseitig Beifall.
Zwei Neuerungen

So langsam hat das „Singalong“ des Wiesbadener Knabenchors Tradition. Immer am 27. Dezember organisiert der Chor seit vier Jahren das Konzert zum Mitsingen. In diesem Jahr mit zwei Neuerungen: Nicht Roman Twardy dirigiert, denn der angestammte Leiter des Knabenchors hat sich in diesem Jahr ein „Sabbatical“ gegönnt. Sein Stellvertreter Danilo Tepša verbreitet aber ebenso gute Laune wie Twardy, der sich dieses Mal ganz diskret in die Reihen der Sänger gesetzt hatte.
Und das „Singalong“ findet nicht mehr in Bierstadt statt, sondern in der Ringkirche. „Das war ein Wunsch vieler Sänger“, sagt der Mann an der Kasse. Doch der vierte „Singalong“-Abend leidet ein wenig unter einem anderen Umstand: Der reichlich vom Himmel gefallene Schnee hat wohl einige Menschen vom Besuch abgehalten. Schade, denn ein Singalong ist eine Gelegenheit, die sich nicht so oft bietet: Hier darf man schließlich einfach mal testen, wie es ist, mit ganz vielen Leuten ein richtig großes Werk im Chor zu singen – auch wenn man das bisher noch nie gemacht hat.
Bedingung ist nur, dass man Noten dabei hat. Und selbst wer keine Partitur des Weihnachtsoratoriums besitzt, kann sich hier eine ausleihen.

Die meisten Sänger schmettern die festlichen Bach’schen Klänge recht sicher in den Raum. Denn sie sind Chormitglieder und kennen das „W.O“ aus dem Effeff: Jeder klassische oder kirchliche Chor, der etwas auf sich hält, führt den Weihnachtsklassiker alle paar Jahre auf. Beim „Singalong“ dürfen auch alle die Arien mitsingen, das ist etwas Besonderes. Nicht viele trauen sich das. Zur Sicherheit sitzen die Jungen und Männer des Knabenchors im Publikum.
Sängerknaben verstärken

Das ist an diesem Abend besonders wichtig, denn gerade die Männerstimmen sind nur recht spärlich besetzt. Die Reihen von Sopran und Alt hingegen sind ganz gut gefüllt. Aber auch hier sind ein paar Sängerknaben vertreten. Zwei von ihnen holt Danilo Tepša sogar für einen kurzen Solopart auf die Bühne. Dort leitet er das „Glob’Arte“ Orchester, das, wie schon die drei Jahre zuvor, mit sehr schönem Klang die instrumentale Seite des Abends bestreitet.
Als Solisten sind Sopranistin Marina Russmann, Altus Jud Perry, Bassist Johannes Hill und – ganz kurzfristig eingesprungen – Tenor Christian Rathgeber dabei. „Ich hatte schon befürchtet, dass ich selbst singen und dazu noch dirigieren muss“, sagt Danilo Tepša, dessen ursprünglich eingeplanter Tenor krankheitshalber am gleichen Tag abgesagt hatte.
Tepša war im vergangenen Jahr der Tenor-Solist. Doch nun kann er sich ganz auf die Leitung des Abends konzentrieren. Nach der Begrüßung durch Hausherr und Ringkirchenkantor Hans Kielblock, der auch an der Truhenorgel mitspielt, führt Tepša ein Einsingen durch, komplett mit Lockerungs- und Stimmübungen, bevor dann die Teile eins bis drei des Weihnachtsoratoriums schön und festlich den Kirchenraum erfüllen und allen Mitsängern viel Freude bereiten.
Wiesbadener Kurier

*22.Dezember 2014:
WEIHNACHTSMUSIK
Kleiner Führer durch das breite musikalische Angebot rund ums Fest – ohne Anspruch auf Vollständigkeit*

WIESBADEN – (VM). Die Temperaturen sind wenig weihnachtlich und unterstützen den jungen Mann, dessen raue Stimme zur Gitarre in der Fußgängerzone eher nach Andalusiens Wärme klingt. Aber wenn etwas noch Halt gibt während Klimawandel und Krisen, dann ist es die anheimelnde Weihnachtsmusik, die alle Jahre wieder aus Kirchen und Konzertsälen der Stadt schallt.
Dabei ist das Angebot in diesem Jahr besonders vielfältig. Mitmachen oder zuhören, das ist die Frage: In der Ringkirche gibt es am 25. Dezember (10 Uhr) einen Gottesdienst mit „Spontanorchester“. Zum Weihnachtslieder-Spiel darf man nicht nur die Geige, sondern auch das Hackbrett mitbringen. Am Samstag, 20. Dezember, ist Anmeldeschluss (per E-Mail an kantor@ringkirche.de).

Der Wiesbadener Knabenchor ist nicht nur an Heiligabend in der Marktkirche zu hören (16.30 Uhr), sondern bietet auch Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium am 27. Dezember in der Ringkirche als „Sing-Along“ zum Mitsingen an (19.30 Uhr).

Wiesbadener Kurier

*5. Dezember 2014:
Wiesbadener Ringkirche lädt zur Weihnachtsfeier an Heiligabend*

_Freuen sich auf Gäste an Heiligabend: Elke Flentge (links) und Marita Steuernagel. Archivfoto: wita/Paul Müller

Von Anke Hollingshaus_

WIESBADEN. „Das war, als hätte wirklich ein Christkind mit am Tisch gesessen“, lacht Marita Steuernagel, wenn sie sich an die Familie erinnert, die, weil neu zugezogen im Rhein-Main-Gebiet, aus Hochheim zur Ringkirche kam. Dort wollte sie mit ihrem kleinen Kind Weihnachten in der Reformatorenhalle der Kirche feiern.

Platz für 40 Leute
Genau so soll sie sein, die „Gemeinsame Weihnacht“, zu der die Ringkirchengemeinde auch an diesem Heiligabend wieder einlädt. Es kommen Menschen, die alleine leben, Ehepaare, Familien, es kommen Ältere und Jüngere. Für 40 Leute bietet die Reformatorenhalle Platz, inklusive Helfer. Die sind ebenso willkommen wie Teilnehmer an der Weihnachtsfeier, die die Gemeinde seit neun Jahren ausrichtet. Sechs bis sieben Helfer werden insgesamt gebraucht, um das Festtagsessen zu servieren und sich mit den Gästen zu unterhalten. Das Menü kommt, bis auf den Nachtisch (Steuernagel: „Den machen wir selbst“), wie in den Jahren zuvor von der Biebricher Metzgerei Traub. Kartoffelgratin gibt es, Gemüse auch, das Fleisch, das die Gäste serviert bekommen, wechselt. Und dann wird ein alkoholfreier Weihnachtspunsch kredenzt. Seit einigen Jahren gibt es auch Wein, der für viele einfach zum Festtagsschmaus dazugehört. Den muss man aber extra bezahlen. Wer das Essen und den Abend in der Reformatorenhalle der Kirche genießen möchte, bezahlt zehn Euro. „Das deckt die Kosten nicht“, weiß Steuernagel. Spenden sind deshalb willkommen.

Ein bisschen hat sich das Publikum verändert. Seien früher vor allem arme Menschen gekommen, feiern jetzt Leute aus allen Schichten der Gesellschaft, berichtet Elke Flentge , Vorsitzende des Kirchenvorstands. Manche wollen einfach nicht alleine sein an Heiligabend, andere sind, wie die oben genannte Familie, neu in der Gegend. Wieder andere möchten neue Freunde gewinnen. „Am Eintrag ins Gästebuch, das immer ausliegt, sehen wir, dass hier auch schon Freundschaften entstanden sind“, freuen sich die beiden Organisatorinnen, die gerade das Musikprogramm zusammenstellen für den Abend.

Wer sich an einem der Tische niederlässt, wird bedient wie im Restaurant. Nach dem Hauptgang wartet nicht nur der Nachtisch, sondern auch ein Quiz „à la Jauch“. Quizmasterin ist Marita Steuernagel. „Das macht Riesenspaß und bringt auch Fremde miteinander ins Gespräch.“ Einer der Ringkirchenpfarrer schaut auch jedes Jahr bei dem Fest vorbei, das um 19 Uhr beginnt und gegen zehn, halb elf ausklingt. Wer möchte und Zeit hat, kann anschließend einen Gottesdienst besuchen.

Wiesbadener Kurier/Wiesbadener Tagblatt

*22. November 2014:
Patricia und Kathy Kelly treten am 1. Dezember bei ihrer „Folge dem Stern“-Tour in der Wiesbadener Ringkirche auf*

Von Peter Müller

WIESBADEN. Auf einen Ingwer-Tee mit den Kelly-Schwestern. Am 1. Dezember starten Patricia & Kathy, zwei von insgesamt sechs Damen der Kult-Familie, ihre „Folge dem Stern“-Christmas-Tour in der Ringkirche. Die beiden treten mit Bruder Paul, drei handverlesenen Musikern und „wunderschönen Weihnachtsliedern aus der ganzen Welt, in besonderer Atmosphäre“ auf. Anlass genug, für eine gut gelaunte Stippvisite in der Kurstadt vorbeizuschauen, auch wenn die Pforten der Ringkirche an diesem Abend geschlossen sind.
Es geht also auf einen Spaziergang durchs „tolle Rheingauviertel“, Richtung Wallufer Platz und Heißgetränk im „Amadeus“. Erst mal durchatmen für die „Mädels“, die einen Promotion-Marathon hinter sich gebracht haben – mit Stationen in Köln, Frankfurt und eben Wiesbaden, dem letzten Stopp des Tages. „Es ist gut, jetzt ein wenig Zeit zu haben. Ich hoffe, Du hast auch keinen Termin mehr.“ Kathy, 51, die nach dem Tod von Mama Barbara Ann (1982) neben ihrem Produzenten-Job auch die Rolle der Ersatzmutter in der Kelly-Kompanie innehatte, wischt alle Star-Klischees vom Tisch.
Familiäre Umbrüche
Ein Gespräch mit ihr und Patricia, 44, die in einer „therapeutischen Biografie“ den bizarren Starrummel um die Musiker-Familie und ihren persönlichen, erfolgreichen Kampf gegen Burnout und zwei dramatische Krankheiten niedergeschrieben hat, ist eine ebenso entspannte wie fröhliche Angelegenheit. Wenn es nicht gerade um die Erinnerungen an Übervater Dan geht, dessen Tod im August 2002 ihnen immer noch das Wasser in die Augen treibt. Beide haben nach den familiären Umbrüchen in den Nullerjahren – die Kellys sind inzwischen „über vier Länder und zwei Kontinente verstreut“ – längst ihre Solo-Karrieren gebaut. „Um nach vielen Anfragen nun im Gesangs-Duett für besinnliche Weihnachts-Klänge zu sorgen.“ Unplugged, in intimer Atmosphäre, aber sogar mit Dudelsack.
Natürlich werden Patricia (Gitarre, Percussion, Harfe) und Kathy (Violine, Akkordeon, Keyboard ) auch selbst zu den Instrumenten greifen. Zumal sich Kathy noch bestens an einen ersten „Ringkirchen-Gig der Kelly-Girls“ in 2009 erinnert. Damals rockten „das heilige Haus“ die drei Mädels (Maite unterstützte Kathy und Patricia) sowie Paul richtig ab und beschlossen, „künftig öfter in Kirchen zu spielen“. „Stimmt“, pflichtet „Pat“ bei, „siehst Du, das Ganze ist also in Wiesbaden erfunden worden.“
Da liegt doch die Frage nach dem Comeback der ganzen Truppe nahe. Schließlich baut die Kurstadt eine schmucke neue Konzerthalle. „Eine Kelly-Reunion in Wiesbaden?“ Das erntet zunächst kräftiges Gelächter. „Also, das muss aber flott gehen mit den Rhein-Main-Hallen. Wenn schon, dann bald, vielleicht 2015“, so Kathy, die regelmäßiger Gast auf dem Bowling Green bei den Auftritten von Cohen, Garrett und Co. war.

Nein, im Ernst: Ein Zurück zur kompletten Kelly Family ist weit weg. „Wir haben mit allen zwar ständig Kontakt. Aber ein Comeback, das wäre zu crazy. Es ist auch gut, den unglaublichen Starrummel hinter sich zu haben. Und schön, zum Beispiel hier in aller Ruhe einen Ingwer-Tee zu trinken“, strahlt Patricia ganz „Kelly-mäßig“ übers gepflegte Antlitz. Sie habe vor ein paar Monaten die finale Diagnose bekommen, dass ihre Brustkrebs-Erkrankung nach fünf Jahren geheilt sei. Für die Mutter zweier Kinder („Mit 11 und 13 brauchen die ihre Mama aber nicht mehr so oft wie früher“) gibt es inzwischen Wichtigeres als die nächste Goldene Schallplatte. Nur „die Kunst, meine Musik, meine Songs, die brauche ich. Sonst bin ich zu Hause unausstehlich.“ Das wiederum kann man sich nur ganz schwer vorstellen.
Wiesbadener Tagblatt

*21. September 2014:
Wiesbaden: Verkehrswendefest rund um die Ringkirche –
Regen kann Optimismus nicht dämpfen*
Von Manfred Gerber

WIESBADEN – Der Regen konnte zwar einen Teil des Publikums vertreiben, nicht aber den Optimismus der Macher des dritten Verkehrswendefestes rund um die Ringkirche mit Blick auf eine bessere Situation für Rad- und Busfahrer in Wiesbaden. Verbesserungen stellte Verkehrsdezernentin Sigrid Möricke (SPD), die Schirmherrin der Veranstaltung, unter viel Beifall in Aussicht.

Verkehrswendefest rund um die Wiesbadener Ringkirche: Festbesucherin Christina Steffen testet einen Elektroroller. Foto: wita / Paul Müller

Möricke verbreitete gute Laune, zum einen durch eine gute verkehrspolitische Bilanz der letzten Monate (zusätzliche Busse, Einheitstarif für alle Busfahrer und in Auftrag gegebener Radverkehrsplan), zum anderen mit der Ankündigung, dass zum 1. Oktober „eine junge, aber erfahrene Radverkehrsbeauftragte“ ihren Dienst antreten werde. Ihr sollten die Kritiker hundert Tage Zeit geben, damit sie sich mit den Wiesbadener Verhältnissen vertraut machen kann.
Möricke appellierte an Innenstadthändler und Kneipenwirte, genügend Fahrradabstellplätze bereitzustellen: „Zeigen Sie ihre Gastfreundschaft beispielsweise mit ausreichend Fahrradabstellplätzen und Schließfächern für Helm und Einkäufe.“
Kulinarische Vielfalt für Radliebhaber

An der Veranstaltung hatten sich wieder mehrere alternative Verkehrs- und Umweltorganisationen beteiligt, mit Infoständen, Verlosungen und Spielen für Kinder. Von den Parteien waren SPD,Grüne, Linke und Piraten mit im Boot. Vor allem das kulinarische Angebot wurde angenommen: Suppe von den Veranstaltern, Raclette-Brote von der Bergkäse-Station in der Dotzheimer Straße. Als es zwischendurch zu schütten begann, zogen sich die Besucher unter die Zelte der Imbissstände zurück. Auf der Bühne gab die Band „Julia Nelson and the Krautboys“ vollen Einsatz, um schlechte Laune erst gar nicht aufziehen zu lassen.
Die Ringkirchengemeinde servierte Kaffee und Kuchen vor dem Pfarrhaus. Barbara Schulze-Falck vom Kirchenvorstand beschrieb in ihren Grußworten die Vision einer „grünen Oase“ rund um die Ringkirche. Wie freundlich die aussehen könnte, demonstrierte man anhand einer Computeranimation. Mit derselben Methode zeigten die Veranstalter am Nachbarstand auf, wie bequem Straßenbahnen auch durch historische Altstädte fahren können. In Wiesbaden sind bekanntlich mehrere Anläufe zum Bau einer Stadtbahn gescheitert. Aber die meisten der Festbeteiligten geben die Hoffnung darauf nicht auf.
Vielseitige Mobilität
Dabei hatte Dirk Vielmeyer, der Sprecher des Bündnisses Verkehrswende Wiesbaden, eingangs betont, dass es nicht um eine Lobby für das eine oder andere Verkehrsmittel gehe, sondern um ein „ausgewogenes Verhältnis“ aller. Die Chancen dafür wurden später in einer Podiumsdiskussion ausgelotet. In einem abschließenden „Verkehrswende“Gottesdienst betrachtete Ringkirchenpfarrer Stefan Reder die Vor und Nachteile einer weltumspannenden Mobilität in seiner Predigt.
Wiesbadener Kurier

*11. September 2014:
Das Gelände um die Wiesbadener Ringkirche wird saniert*
Von Manfred Gerber

WIESBADEN. Jahrelang hat sich rund um die Ringkirche nichts getan, sah es dort schlimm aus: verrostete und aus ihren Halterungen gefallene Geländer, kaputte, in Hohlräume abgesackte Bodenplatten. Das wird sich nun ändern: Am Montag haben Landschaftspfleger der Firma Gramenz begonnen, mit Bagger und Raupe eine Baustelle einzurichten, um den ersten Bauabschnitt zur Sanierung des Altans, der Plattform rund um das Gotteshaus, in Angriff zu nehmen. Insgesamt werden es voraussichtlich drei Bauabschnitte sein. Der erste Abschnitt kostet 280 000 Euro, die Gesamtkosten werden sich auf rund 900 000 Euro belaufen. „Wir bauen immer dann ein Stück weiter, sobald Geld da ist“, sagt Ringkirchenpfarrer Ralf-Andreas Gmelin.
Zuerst die Westfront
Der erste Bauabschnitt umfasst den Teil vom Haupteingang entlang der Westfront bis zum Platz vor dem Schaueingang zur Reformatorenhalle am Kaiser-Friedrich-Ring. Damit der Bagger Platz zum Arbeiten hat, hat man die Basaltsteine zur Begrenzung der Plattform entlang der Kirchenmauern entfernt.
Gerade gerückt werden müssen zunächst die schiefen Mauern entlang der Straße An der Ringkirche. Schief geworden waren sie unter anderem, weil die Wurzeln der früheren Pagodenbäume dem Bauwerk stark zugesetzt hatten. Durch die Wurzeln war Feuchtigkeit bis in das Kircheninnere vorgedrungen. Zeitweise konnte eine Toilette nicht benutzt werden, weil eine Baumwurzel das Abflussrohr verstopfte. Pikant an dieser Verstopfung war, dass die Bäume der Stadt Wiesbaden gehörten, jedenfalls auf der städtischen Grünfläche standen, die den Altan umgibt. Weil aber die Gemeinde es in den 90er Jahren versäumt hatte, den Schaden von rund 200 000 Euro rechtzeitig der GVV-Kommunalversicherung schriftlich zu melden, waren die Ansprüche verjährt.
Jahrelang zogen sich die Verhandlungen mit der Stadt und der Versicherung hin, um wenigstens auf dem Kulanzweg etwas zu bekommen. Seither stand die 2009 außen fertig renovierte Ringkirche in merkwürdigem Gegensatz zur heruntergekommenen Umgebung. Ein Umstand, der nicht zuletzt dazu beigetragen haben dürfte, dass sich von dem Ambiente aus Bäumen, Büschen und kaputten Bodenplatten eine Trinkerszene angezogen fühlte.
Wieder Mosaikpflaster

Mit dem ersten Bauabschnitt ist nun immerhin ein Anfang gemacht. Der billige Plattenbelag aus der Nachkriegszeit wird beseitigt und durch kleineres Mosaikpflaster ersetzt, wie es vorher hier war und den Platz vor der Reformatorenhalle ziert. Die rostigen Geländer werden mit einem Sandstrahler aufpoliert. Die Gemeinde hofft, dass dieser erste Abschnitt Anfang November fertig sein wird. Dann nämlich feiert die Gemeinde das 120-jährige Bestehen ihres Gotteshauses.
Bauherrin des Projekts ist die Gesamtkirchengemeinde, der elf Wiesbadener Innenstadtkirchen angehören. Vorsitzender ist Ringkirchenpfarrer Sunny Panitz, der gleichzeitig als Vorsitzender des Bauausschusses der Ringkirchengemeinde fungiert. Panitz hat immerhin erreicht, dass die Versicherung einen Kulanzbetrag von 50 000 Euro beigesteuert hat. Auf einen Prozess gegen die Stadt hatte man es nicht ankommen lassen wollen. Die Ringkirchengemeinde muss nun bei jedem Bauabschnitt 20 Prozent der Sanierungskosten aufbringen, 15 Prozent zahlt die Gesamtgemeinde, der Rest kommt von der Landeskirche aus Kirchensteuermitteln.
Wiesbadener Kurier

*26. Juni 2014:
Ungeteilter Raum für alle Gläubigen*
Von Wolfgang Rüdell

_Die Ringkirche in Wiesbaden ist die „Mutter“ der Christuskirche in Oberursel. Warum, erfuhren die Besucher eines Vortrags im Kirchsaal der Christuskirche.

Der Altar der Christuskirche ist für alle Gläubigen gut sichtbar. Diese Anordnung ist Teil des Wiesbadener Programms für den Kirchenbau. Foto: Heiko Rhode, Oberursel._

Von außen gleichen sich beide Kirchen überhaupt nicht: die im Jugendstil errichtete Christuskirche in Oberursel und die mit romanischen und gotischen Formelementen gestaltete Ringkirche in Wiesbaden. Und doch: Die Ringkirche ist die „Mutter“ der Christuskirche.

Diesen Zusammenhang erläuterte Ralf-Andreas Gmelin, der Pfarrer der Ringkirche, bei seinem Vortrag anlässlich des 100. Geburtstags der Christuskirche: „Ein neuer Weg für den Evangelischen Kirchenbau – das Wiesbadener Programm“. Worum handelt es sich dabei?

Das Wiesbadener Programm versteht eine evangelische Kirche nicht als herausgehobenen heiligen Ort, sondern als Versammlungsraum der Gläubigen. Das vom Protestantismus postulierte „Priestertum aller Gläubigen“ zeigt sich in der Einheitlichkeit des Raumes. Die Trennung zwischen Kirchenschiff für die Gemeinde und Altarraum für die Geistlichkeit wird aufgehoben.

So sind Kanzel, Altar und Orgel gut sicht- und hörbar für die Gemeinde in der Mittelachse der Kirche platziert. Das Abendmahl findet in der Mitte der Gemeinde statt. Da der Kirchenmusik im Protestantismus hohe Bedeutung zukommt, sollen auch die Orgel und der Platz für den Chor direkt im Angesicht der Gemeinde platziert werden. Die Entscheidung für einen bestimmten Baustil ist nicht vorgegeben, sondern bleibt dem örtlichen und zeitlichen Geschmack überlassen.

Die aus der Schweiz stammenden Architekten der Christuskirche – Robert Curjel und Karl Moser – setzten dieses Prinzip in Oberursel konsequent um. Die beiden hatten sich in Wiesbaden kennengelernt und sich auch mit der Gestaltung der Ringkirche auseinandergesetzt. Bei diesem Gotteshaus hatte der Architekt Johannes Otzen in den Jahren 1892 bis 1894 erstmals das Wiesbadener Programm baulich umgesetzt.

Antwort auf Hamburg

Dieses Programm wurde entwickelt von dem nassauischen Pfarrer Emil Veesenmeyer (1857-1944), der damals an der Bergkirche in der heutigen hessischen Landeshauptstadt wirkte. Seine Thesen waren die Antwort auf die Auseinandersetzung um den Wiederaufbau der 1842 abgebrannten Hamburger Nikolaikirche in den Jahren 1846 bis 1863. Damals zogen die Hamburger Protestanten den Entwurf einer neugotischen Kathedrale des englischen Architekten George Gilbert Scott dem Plan Gottfried Sempers für einen Kuppelbau vor.

Damit folgten sie den Empfehlungen des „Eisenacher Regulativs“ von 1861, das im Geist des Historismus für protestantische Kirchenbauten die Orientierung an mittelalterlichen Kathedralen empfahl, in der der Altar im separaten Chorraum steht und die Kanzel an einer seitlichen Säule angebracht ist. Die Nikolaikirche erwies sich nicht nur als unpraktisch, weil von den 1400 Gottesdienstbesuchern bestenfalls die Hälfte den Pfarrer überhaupt verstehen konnte, sondern sprengte auch alle veranschlagten Baukosten, was in Hamburg allerdings nicht zum letzten Mal vorkam.
1890 im „Evangelischen Gemeindeblatt Dillenburg“ veröffentlicht, wäre das Wiesbadener Programm vielleicht wenig beachtet worden, wenn es nicht im selben Jahr in der weltweit beachteten Deutschen Bauzeitung aufgegriffen worden wäre. Besondere Beachtung fand es in der Schweiz, wo es für die Kirchenbauer zum „fünften Evangelium“ wurde.

Kontakt zu Gott

Zur Bedeutung des Wiesbadener Programms in der heutigen Zeit hob Pfarrer Gmelin hervor: „Natürlich stimme ich Veesenmeyer zu, dass eine evangelische Kirche nicht schlechterdings ein Haus ist, in dem Gott anders wohnt als an jedem anderen Ort der Welt. Andererseits sind heilige Räume – Räume, die wir Gott weihen – meines Erachtens dringender erforderlich als je in der Geschichte.“ So werde auch die Christuskirche zum „heiligen Raum, nicht weil eine Institution ihn für heilig erklärt, sondern weil hier seit 100 Jahren Menschen den Kontakt zu Gott suchen“.
Frankfurter Neue Presse

*15. Februar 2014
Die „New York Gospel Stars“ in der Wiesbadener Ringkirche*
Von Richard Hörnicke

WIESBADEN. Insgesamt 62 Tage sind die „New York Gospel Stars“ in Deutschland unterwegs, kurz vor dem Ende der Tournee machten sie noch einmal Halt in der Wiesbadener Ringkirche.
Die neun Sängerinnen und Sänger zählen zu den Spitzenensembles der Gospelszene. Diesen Ruf verdanken sie der geschickten Zusammenstellung ihres Programms, der stimmlichen Qualität des Ensembles und nicht zuletzt der hinreißenden Art der Performance, die den Anschein des Improvisatorischen erweckt, aber von Anfang bis Ende des zweistündigen Konzerts mit ständig wechselnder farbiger Beleuchtung perfekt durchgeplant ist.
Der besondere Sound der Gospelgesänge wird von jedem der Künstler im Wechsel von solistischen und chorischen Beiträgen exzellent getroffen. Sie wissen mit ihrer Stimme umzugehen, voluminösen Tönen stehen ganz feine gegenüber. Erstaunlich die Atemreserven, mit denen sie immer wieder aufwarten können – und die stets spontanen Beifall provozieren.
Religiöse Botschaft
Wie üblich werden die einzelnen Gesänge gestisch begleitet. Es ist schon recht bemerkenswert, über welchen Bewegungsreichtum die Akteure verfügen, wobei die Arme sehr oft nach oben weisen und damit die Bindung an die religiöse Botschaft angesprochen wird.

Craig Wiggins, Leiter der „Gospel Stars“, hat im voll besetzten Kirchenraum die Zuhörer sofort auf seiner Seite, spricht sie auch immer wieder an und stellt sich mit ausdrucksstarkem Bariton glänzend dar. Natürlich gehen auch an diesem Abend die „Saints marching in“ und viele bekannte Gospels erklingen.

Im zweiten Teil des Konzerts wird man, durchaus verdienstvoll, im Gegensatz zum rhythmisch bestimmten ersten auch mit Raritäten bekannt gemacht, die den berührenden Aspekt der religiösen Gesänge betonen.
Eine hinreißende musikalische Begegnung, ständig von Beifall und Bravorufen begleitet. Manche der Zuhörer – und erstaunlicherweise gerade viele der reichlich anwesenden „älteren Semester“ – hielt es nicht mehr auf den Sitzen. Nicht endend wollender begeisterter Beifall für das Ensemble.
Wiesbadener Tagblatt

*16. Januar 2014:
Angelo Branduardi singt in der Ringkirche*

_Lädt zum eindringlichen Konzert in der Ringkirche: Angelo
Uwe Stotz

Von Doris Kösterke_

WIESBADEN – Ganz nah am Mikrofon hält Angelo Branduardi seinen weißen Lockenkopf schräg, mal zur einen, mal zur anderen Seite. Sein Gesichtsausdruck ist ein liebevolles Lächeln. Ohne Mikrofon würde man seine Stimme wohl kaum zwei Meter weit hören. Aber dank Tontechnik hatte man auch bei seinem Konzert in der Ringkirche die Illusion, ihm ganz nahe zu sein.
Enorme Präzision
Wie einem sehr guten und wohlmeinenden Freund, der einem sehr, sehr leise aber auch sehr, sehr eindringlich wichtige Dinge sagt. Die enorme Präzision, die Branduardi beim Gitarrespiel wie in seiner Aussprache an den Tag legt, weist den Weg zu der Intensität, die sich unter der äußerlichen Verhaltenheit verbirgt. Eine innere Intensität, die die empfindlichsten Themen des Menschseins ausgelotet hat. Mit musikalischen Mitteln. Etwa wie der Geiger in Branduardis Lied „Il violinista di Dooney“, der meint, seinem Liederbuch sehr viel Treffenderes entnehmen zu können, als sein Vetter und sein Bruder als Priester ihren Gebetbüchern.

Fast zwei Stunden lang hörte man Lieder und Balladen über Liebe und Tod: den Abschiedsbrief des todesgewissen Che Guevara an seinen Vater oder den Tod von Lord Franklin beim Durchqueren der Nord-West-Passage, in der Branduardi auch zu seinem ursprünglichen Hauptinstrument, der Geige, griff.

In Ermangelung eines Programmzettels muss die journalistische „Was“-Frage hinsichtlich des Repertoires weitgehend unbeantwortet bleiben. Aber Branduardi hatte ja in seinem kleinen Vortrag in seinem gar nicht so schlechten, nur von ihm kokettierend sogenannten Gastarbeiterdeutsch über die Musik als „mystische, auch esoterische Zauberkunst“ gesagt, dass das Wesentliche ohnehin jenseits der Noten, und erst recht jenseits der Worte läge.
Zwar waren es von jeher die Texte vergangener Zeiten, die Branduardi und seine Frau fasziniert haben: Luisa Zappa Branduardi hat fast alles, was Branduardi vertont hat, geschrieben oder sich aus anderen Sprachen im wahrsten Sinne des Wortes „angeeignet“.

Aber die Art, wie Branduardi sie in Musik setzt, erschließt eine Ebene, die auch dann Bestand hat, wenn man des Italienischen nicht im angemessenen Maße mächtig ist. Begleitet von Maurizio Fabrizio an Gitarre oder Keyboard und Enzo Restuccia als Perkussionist und seiner einzigartigen charismatischen Stimme zauberte er eine Atmosphäre mystischen Verstehens.

Die einzige Zugabe, zu der sich der für die zugige Kirche viel zu dünn Angezogene überreden ließ, war das auf Deutsch gesungene „Momos Lied“ mit dem gehauchten Schlusssatz „Ich hab dich lieb“.
Wiesbadener Tagblatt