Schrift verkleinernSchrift vergrößern

11. Dezember 2017:
Gospelchor „Xang“ begeistert Publikum in der Wiesbadener Ringkirche

Nicht nur der Chor, sondern auch die Illumination sorgen beim „Xang“-Konzert für Atmosphäre. Foto: wita/Paul Müller
Von Barbara Yurtöven

WIESBADEN – Es soll ja Leute in Wiesbaden geben, für die beginnt Weihnachten erst so richtig mit dem Konzert des Gospelchores „Xang“, das traditionell am Samstag vor Heiligabend stattfindet. Doch diesmal musste sich das treue Publikum des Gospelchores ein wenig umorientieren. Weil Heiligabend in diesem Jahr auf den 4. Advent fällt, fand das Konzert nämlich ausnahmsweise bereits an diesem Wochenende statt.

Das Konzert soll vor allem Spaß machen

Unter dem großen Herrnhuter Stern, der traditionell von der Decke der Ringkirche herabhing, feierte der Chor also schon an diesem Samstag sein musikalisches Weihnachtsfest. Die neun Männer und 30 Frauen sangen nicht nur. Sie wiegten sich im Takt, sie schnipsten, sie klatschten und lebten dabei förmlich ihre Lieder.

Das I-Tüpfelchen setzte die Technik, mit einem Farbenzauber, die Altarraum, Kanzel und Empore in magisches Licht tauchte und den Chor wunderbar in Szene setzte.

„Sie sollen heute Abend Spaß haben, fühlen sie sich einfach wohl“, das wünschte der Chor seinem Publikum zu Beginn. Und das hatte Spaß – von ersten bis zum letzten Lied. „Hallelujah – Preiset den Herrn“, so lautete der Titel des diesjährigen Konzertes. Das erste Hallelujah erklang allerdings im vorletzten Lied der ersten Konzerthälfte, im mitreißenden „Highway up to heaven“. Aber natürlich durfte auch das titelgebende Hallelujah aus Händels Messias-Oratorium nicht fehlen, Im Arrangement von Mervyn Warren ein echter Gospelsong und dabei genauso bewegend und feierlich wie das Original. Und noch ein weiteres weltberühmtes Hallelujah erklang in der Ringkirche: das aus der Feder von Leonard Cohen. Wunderbar gesungen von der Ex-La-Bouche-Frontfrau Natascha Wright, als ganz besonderer Gast des Xang-Ensembles. Und das begeisterte nicht nur als Chor, sondern auch mit der Vielzahl und der Qualität der eigenen Solisten. Ob bei den gefühlvollen Balladen wie „The reason why I sing“ oder „In your arms“ oder den eher groovigen Titeln, die insgesamt 15 Solisten überzeugten bei ihren Auftritten auf ganzer Linie. Die Songauswahl bot viele unterschiedliche Facetten: „A mightey fortress“ war mit dabei als „Ein’ feste Burg ist unser Gott“ ein wohlvertrautes evangelisches Kirchenlied. „Das ist unser Beitrag zum Lutherjahr“, informierte dazu die charmante Moderatorin.

Mancher Klassiker war kaum wiederzuerkennen

Das „Bridge over troubled water“, der weltberühmte Klassiker von Simon und Garfunkel, klang ebenfalls einerseits vertraut, hatte aber doch eine ganz eigene, überzeugende Note. „Joyful“ – dieses Variante von „Freude, schöner Götterfunken“ ließ kaum noch das Original erkennen, und erntete mit einer tollen Solistin und einer gerappten Sequenz im Mittelteil einen besonders kräftigen Applaus. Den gab es auch für „Baba Yetu“ – das Vater unser auf Swahili, einer weitverbreiteten Sprache Ostafrikas. Aber es waren auch weihnachtliche Titel wie „Oh holy night“ oder „Jesus, oh what a wonderful child“ dabei.

Einen Extra-Auftritt hatten die Männer von „Xang“ beim Titel „How great thou art“. A cappella trugen sie ihn zu elft, ergänzt um Chorleiter Gerhard Müller, der Xang seit 21 Jahren erfolgreich leitet, und Pianist Wolf Dobberthin, vor. Der sorgte zudem während des gesamten Konzertes zusammen mit Alfred Lorenz am Bass und Gerald Schäfer am Schlagzeug souverän für die rhythmische Basis.

Mit „Oh happy day“ als erster Zugabe und einer farbenfrohen Illumination sorgte „Xang“ für einen letzten Stimmungshöhepunkt, bevor das Publikum nach einem rundherum gelungenen Konzert mit dem leisen „Total praise“ in die Dezembernacht verabschiedet wurde.
Wiesbadener Tagblatt

26. Oktober 2017:
Ortsbeirat Rheingauviertel-Hollerborn setzt auf Carsharing und optimale Nutzung des Parkraums
Von Ingeborg Toth

WIESBADEN – Parkprobleme stehen bei den Bewohnern des Rheingauviertels ganz oben an. Dabei, so sagt Verkehrsdezernent Andreas Kowol, gibt es in diesem Stadtquartier „deutlich weniger Autos pro Haushalt“ als in anderen Stadtteilen. Auf den Zweit- oder Drittwagen verzichten viele, denen die allabendliche Parkplatzsuche zum Albtraum geworden ist. Auf seiner Tour durch die Stadtteile schaute Kowol beim Ortsbeirat Rheingauviertel/Hollerborn vorbei. Dem Gremium gab er deutlich zu verstehen, dass er bei dem Versuch, den Verkehr in den Griff zu bekommen, auf die Mitarbeit der Bürgervertreter setzt. Parkraum für die Anwohner eines Gebietes ist ihm wichtig. Wichtig sei aber auch, den vorhandenen Parkraum „optimal auszulasten“. Ein Parkraum-Bewirtschaftungskonzept sei in Arbeit.

Unterstützung für Carsharing-Angebote

Kowol wolle künftige Carsharing-Angebote von Eswe „stark pushen“, sodass die Stadt ab dem nächsten Jahr jenen ein Angebot unterbreiten könne, die kein eigenes Auto wollen. Plätze zu finden, an denen solche leicht zu leihenden Fahrzeuge stationiert werden, werde Probleme mit sich bringen. Die Hoffnung ist, dass der Stellplatzbedarf durch Carsharing sinkt. Kowol glaubt, auch im Rheingauviertel nutze nicht jeder jeden Tag in sein Auto. „Dann ist es ein kleiner Schritt zu sagen: ‚Ich schaffe mein Fahrzeug ab‘“. Das gelegentliche Mieten sei in jedem Fall billiger.

Eine autofreie Zone rund um die Ringkirche ist ein alter Traum des Ortsbeirats. Der Verkehrsdezernent griff das Stichwort sofort auf. „Wir können gerne über Verkehrsversuche reden“, sagte Kowol. „Mein Angebot an die Stadtteile ist: Wenn es eine gute Idee gibt wie die autofreie Ringkirche, dann machen wir einen Verkehrsversuch. Lassen den ein paar Monate laufen – und dann schauen wir uns das Ergebnis an.“ Wenn es gut funktioniere, könne man ja über eine dauerhafte Änderung reden. „Wenn es nicht funktioniert, macht man das Ganze wieder rückgängig.“

Der Vorsitzende des Vereins Casa (Centrum für aktivierende Stadtteilarbeit), Michael Feine, kam mit einer guten Botschaft in den Ortsbeirat: Das alte Stellwerk des ehemaligen Güterbahnhofs an der Holzstraße, im Süden des Künstlerviertels, kann jetzt zum Jugendtreff umgebaut werden. Seit fast zwanzig Jahren stehen Jugendräume auf der Agenda des Ortsbeirats. „Wir haben jetzt eine Baugenehmigung“, berichtet Feine. Das bedeute, dass Angebote von Handwerksfirmen eingeholt werden können. Die wollten keine Kostenvorschläge machen, weil sie von der schier unendlichen Geschichte wussten. „Es gibt noch Schwierigkeiten genug“, sagt Feine. Das Dach müsse neu gedeckt werden. Zuvor müsse aber geklärt werden, ob auch die Wände gedämmt werden müssen. Feine: „Diese Frage klären wir im Augenblick.“ Die Abbrucharbeiten im Gebäude erledigen die Bauhaus-Werkstätten. „Das kriegen wir in den nächsten Tagen hin“, sagte der Casa-Vorsitzende. „Ich bin immer noch guter Dinge und glaube, dass wir im Frühjahr einziehen können.“

Schiedsmann Peter Vogt für weitere fünf Jahre gewählt

„Schlichten ist besser als richten“, lautete das Schlagwort des Schiedsmanns Peter Vogt, der im Rathaus sein Büro hat. Das ist Anlaufstelle für nahezu alle Innenstadtbewohner, die mit ihren Nachbarn querliegen. Viel zu viel werde vor den Zivilgerichten erbittert gestritten – oft durch alle Instanzen. Vogt löst mit seinem gesunden Menschenverstand die Probleme, schlichtet Streit. Er ist auch für Bedrohung, Beleidigung oder Hausfriedensbruch zuständig. Er hat das Ehrenamt seit 40 Jahren inne und bewarb sich jetzt noch einmal darum. Der Ortsbeirat hat ihn einstimmig für fünf weitere Jahre gewählt.
Wiesbadener Tagblatt

25. September 2017:
Wiesbadener Mozart-Gesellschaft präsentiert das „Musikprotokoll einer Flucht – die Hugenotten“
Von Manuel Wenda

WIESBADEN – In der Ringkirche präsentierte die Wiesbadener Mozart-Gesellschaft ein Opernkonzert, das „Musikprotokoll einer Flucht – die Hugenotten“ überschrieben war. Den Anstoß zu dem Abend gab die Zusammenarbeit Karl-Werner Joergs, Vorsitzender der Mozart-Gesellschaft, mit dem Münchner Verein I Virtuosi Ambulanti. Dessen Ziel ist es, versunkene musikalische Schätze zu heben: Gemeinsam mit Joerg hat der Verein sich Carlo Coccias Oper „Die Herzogin von Guise“ („Caterina di Guisa“) zugewandt und arbeitet an der ersten Inszenierung des Werks seit 180 Jahren.

Erbe der Hugenotten ist noch präsent

Die Handlung spielt in Paris, sechs Jahre nach der Bartholomäusnacht. Im Rhein-Main-Gebiet ist das Erbe der Hugenotten, die im späten 17. Jahrhundert in protestantische Gebiete Europas flohen, gegenwärtig. Orte wie Friedrichsdorf sind hugenottische Gründungen, Neu-Isenburg hatte eine große hugenottische Gemeinde, viele Angehörige dieser Glaubensrichtung fanden auch Zuflucht im friderizianischen Preußen. „Die Herzogin von Guise“ wird in den kommenden Wochen in Hanau, Bad Homburg und Neu-Isenburg aufgeführt werden.

Während der Arbeit an Coccias Oper, so Joerg, sei er auf weitere hugenottische Stoffe gestoßen, der Grundstein für das Programm in der Ringkirche war gelegt.

Vor Beginn des Konzerts sagte Joerg, dass die Mozart-Gesellschaft sich intensiv für die Musik Mozarts einsetze und es sich daher leisten könne, auch einmal Ausflüge in andere Gefilde zu unternehmen – ein kluger Ansatz. Sängerinnen und Sänger aus dem Ensemble der „Herzogin von Guise“ waren die Solisten in der Ringkirche, als Pianist und musikalischer Leiter fungierte Michael Konstantin.

Umrahmt wurde der Abend von Psalmvertonungen Claude Goudimels (1514-1572). Von der Empore aus erfüllte der Gesang von Oksana Sliubyk (Sopran), Laura Rieger (Mezzosopran), Slaven Čiča (Tenor) und Andreas Schlundt (Bass) die Kirche. Machtvoll und raumgreifend deutete Schlundt „Piff Paff“ aus Giacomo Meyerbeers „Les Huguenots“, Konstantin erwies sich als feinfühliger Begleiter. Oksana Sliubyk interpretierte ein fesselndes „Vive Henry Quatre“ aus Etienne-Nicolas Méhuls „Le jeune Henry“. Pulsierend bot Slaven Čiča „Crudo Amor“ aus Vincenzo Pucittas „La caccia di Enrico IV“dar, Laura Rieger und Sliubyk sangen mitreißend aus Coccias „Herzogin“. Ein Abend voll musikalischer Anregungen.
VRM Echo online

4.September 2017:
Bis zu 500 Besuchern in einzelnen Gotteshäusern bei Nacht der Kirchen in Wiesbaden / AKK-Pfarreien mit Premiere zufrieden

Von Andrea Wagenknecht

WIESBADEN – Es war schon erstaunlich, was sich bei der Nacht der Kirchen in der katholischen Kirche Maria-Hilf in Kostheim tat: Während im Innern der Kirche rund 150 Besucherinnen und Besucher Michael Apitz‘ monumentales Riesengemälde von Martin Luther bestaunten, wurde im Vorraum der Kirche Luthers Kopf als Backware angeboten. Die katholische Gemeinde Maria-Hilf, zum ersten Mal bei einer Nacht der Kirchen dabei, hatte verstanden, dass Ökumene auch durch den Magen geht und kurzerhand mehrere Bleche mit Lutherköpfen gebacken. Die Kirchennachtbesucher – unter ihnen auch der evangelische Dekan Martin Mencke – bissen an.

Viele Gemeinden schlagen Brücken

Der katholische Pfarrer Gottfried Scholz ist sich sicher: „Uns Christen verbindet mehr, als wir manchmal denken. Dass es heute so leicht möglich war, Luther in die katholische Kirche zu holen, zeigt, dass wir im ökumenischen Miteinander schon sehr weit gegangen sind und mutig die nächsten Schritte gehen sollten.“

Brücken geschlagen haben auch viele andere Kirchen in dieser Nacht, etwa die Lutherkirche, in der unter dem Motto „Zauber der fremden Kulturen“ die Band „Bridges – Musik verbindet“ aufgetreten ist. Geflüchtete und beheimatete Musiker haben gemeinsam musiziert und in ihren jeweiligen Landessprachen Gedichte vorgetragen. Eine Brücke zwischen Musik und Kunst haben Marktkirchenkantor Thomas Frank und Künstler Benno Seifert geschlagen. An der rund einstündigen Live-Kunstperformance nahmen knapp 100 Besucherinnen und Besucher teil und staunten, wie zu der Orgelmusik von Frank Bilder entstanden. Ein Besuchermagnet war erneut das Konzert „Dancing Pipes“ von Hans Uwe Hielscher und dem nassauischen Blechbläser-Ensemble, bei dem die Marktkirche mit mehr als 500 Besuchern sehr gut gefüllt war. Toppen konnte das nur noch die Ringkirche: Bei den Kirchen- und Turmführungen wurden 150 Besucher gezählt. Zu den drei Kabarettprogrammen von Okko Herlyn kamen mehr als 600 Besucher, berichtete Ringkirchenpfarrer Ralf-Andreas Gmelin. Die Bonifatiuskirche widmete die ganze Kirchennacht thematisch ihrem Namenspatron, dem Heiligen Bonifatius.

Außergewöhnliches bot die Jugendkirche Kana und die Gemeinde Maria Hilf: Die Schöpfungsgeschichte wurde im Kirchenraum an der Kellerstraße als spektakuläre Lichtschau umgesetzt. Eine tiefe Stimme aus dem Off sprach: „Da machte Gott die Feste und schied das Wasser unter der Feste von dem Wasser über der Feste“ – die Kirche wurde in tiefblaues Licht getaucht, Kunstnebelschwaden umspielten den Kirchenboden wie kleine Wellen.

Die Zahl der Besucher schwankte von Kirche zu Kirche stark: So verzeichnete die Bergkirche weniger Besucher, was vermutlich am benachbarten Taunusstraßenfest lag. Und auch die Lutherkirche besuchten weniger Menschen als im Vorjahr. Dagegen musste die Schwalbe 6, in der der Wiesbadener Kabarettist Arno Hermer sein Programm „Lauter Luther“ präsentierte, Besucher anfangs wieder wegschicken, weil der Raum aus allen Nähten platzte.

Die Bilanz der AKK-Gemeinden, die zum ersten Mal dabei waren, fiel positiv aus. So erklärte etwa Pfarrerin Susanne Jung von der evangelischen Michaelsgemeinde: „Wir sind glücklich: Es hat geklappt.“

Zu einer Panne kam es bei der russisch-orthodoxen Kirche auf dem Neroberg: Besucher und Kirchenführerin standen vor verschlossenen Türen.

Wiesbadener Tagblatt

7. April 2017:
Kultur vor Ort
Orgelspaziergang: St. Bonifatius, Ring- und Marktkirche laden am 13. Mai zum besonderen Musikerlebnis

WIESBADEN – (red). Zum siebten Mal findet am Samstag, 13. Mai, ab 19 Uhr der Wiesbadener Orgelspaziergang statt: Ringkirche, Bonifatiuskirche und Marktkirche präsentieren sich gemeinsam. Die drei Kantoren und Organisten Hans Kielblock (Ringkirche), Gabriel Dessauer (St. Bonifatius) und Thomas J. Frank (Marktkirche) haben nach den Erfolgen der vergangenen Orgelspaziergänge ein gemeinsames Projekt erarbeitet, das allen an der Orgel Interessierten, die Möglichkeit gibt, die Orgeln und die Akustik der drei Wiesbadener Innenstadtkirchen miteinander zu vergleichen. Anstelle der Lutherkirche wurde die Ringkirche ins Programm aufgenommen, deren Steinmeyer-Orgel 2016 saniert wurde.

Die Vielfalt an reiner Orgelmusik

Als Motto dient die Form der besonders in der Orgelmusik gepflegten Toccata. Die drei Organisten stellen unter Beweis, welche Vielfalt an genuiner Orgelmusik zwischen Muffat und Rutter entstanden ist.

Der Orgelspaziergang beginnt um 19 Uhr mit Hans Kielblock in der Ringkirche. Er spielt Toccaten von Bach, Muffat, Fescobaldi, Reger, Fletcher und Germani. Das Konzert wird rechtzeitig beendet sein, damit die Zuhörer die Bonifatiuskirche erreichen können. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr wird es keinen Bustransport geben, da die Bonifatiuskirche in etwa zehn Minuten erreichbar ist. Gabriel Dessauer setzt um 20 Uhr in St. Bonifatius den Orgelspaziergang fort. Er spielt Toccaten von Heaps, Boellmann, Bédard, Yon, Fjellestad, Rutter und Duruflé. Danach ist es ein kurzer Fußweg zur Marktkirche.

In der Marktkirche beschließt um 21 Uhr Thomas J. Frank den Orgelspaziergang mit Toccaten von Mailly, Dubois, Dallier, Renaud, Belier, Vierne und Widor. Anschließend an das letzte Konzert sind die Teilnehmer zu einem Glas Sekt in der Marktkirche eingeladen und können ihre Erfahrungen untereinander sowie mit den Interpreten austauschen.
Der Eintritt für alle drei Konzerte beträgt 12 Euro inklusive des Glases Sekt. Tickets sind an den Abendkassen an allen Veranstaltungsorten erhältlich.
Wiesbadener Kurier

16. März 2017:
*Mit viel Melancholie –
Der amerikanische Songwriter Joshua Radin singt in der Ringkirche*

Ist Fan der Musik von Bruce Springsteen und Bob Dylan: Joshua Radin. Foto: wita/Paul Müller

Von Manuel Wenda

WIESBADEN – „An Orten wie diesem hier trete ich nicht oft auf“ – der amerikanische Songwriter Joshua Radin genießt sein Gastspiel in der Ringkirche offensichtlich. Wiesbaden kennt er bereits, in Deutschland hat er eine eingeschworene Fangemeinde. Die überwiegend jungen Besucher feiern ihn.

Folk und Pop von „Lily & Madeleine“

Als angenehme Überraschung hatte sich das Vorprogramm erwiesen. Das Duo „Lily & Madeleine“, zwei überaus elegante Schwestern aus Indianapolis, eröffnete den Abend. Die Frauen spielen eine frisch klingende, melodiöse Mischung aus Folk und Pop. Unverzerrte E-Gitarre und Keyboard untermalten ihren Gesang, die Stücke leben von einer effektvollen Einfachheit. Stellenweise wähnte sich der Hörer in einem in den Weiten Indianas angesiedelten Roadmovie. Von Wiesbaden zeigten sich die Musikerinnen angetan: „Wir sind den ganzen Tag herumgelaufen. Vom Casino zum Theater, dann waren wir am Römertor. In Indiana findet man nichts Römisches.“ Ein leicht verschwommener Sound verleiht ihrer Musik einen träumerischen wie grazilen Flair.

Joshua Radin offenbart seine musikalischen Heroen bereits vor Beginn des Konzerts: Aus den Boxen dringen Songs Bruce Springsteens und Bob Dylans. Als das Geigensolo aus dessen „Hurricane“ verklungen ist, geht das Licht aus und Radin betritt den Raum. Er begleitet seinen Gesang auf einer Westerngitarre, bei etwa der Hälfte der Stücke unterstützt ihn ein zweiter Gitarrist, der von Bluegrass und Country angehauchte Noten beisteuert.
Radins Stücke leben von Spontaneität, die Melodien stehen nicht unbedingt im Vordergrund; er ist ebenso Geschichtenerzähler wie Musiker. Ein großes Maß an Melancholie zieht sich durch sein Programm, humorvolle und nachdenkliche Anekdoten schickt er allen Liedern voraus. Amüsanterweise klingen diese oft so, als würde der junge Bob Dylan den jungen Bruce Springsteen auf der Gitarre begleiten. Radin nimmt mühelos Kontakt zum Publikum auf, einmal animiert er es zum Mitklatschen, aber die leisen Töne herrschen vor.

Der Sänger stammt aus Ohio, lebt aber seit Jahren in Los Angeles. Die Ankunft dort, erzählt er, sei durchaus ein Kulturschock gewesen. Die Ringkirche ist an diesem Abend Schauplatz profanen Lebens, viele Zuhörer genehmigen sich das ein oder andere Bier. Am Ende steht dann wieder der eulengesichtige Mann, den die ihm entgegengebrachte Verehrung in erhebliche Verwirrung stürzte: Radin und sein Kollege begeben sich auf die Kanzel, erklären, „für die Kirche Bob Dylans“ zu singen – dann schmettern sie „Don’t think twice, it’s all right“.
Wiesbadener Tagblatt